Der Internationale Handballverband (IHF) hat für die Saison 2010/2011 bestehende Regelungen neu formuliert, aber auch alte komplett abgeschafft. Die Änderungen beziehen sich auf verschiedenste Bereiche und gelten für die höchsten Klassen ebenso wie für uns auf Bezirksebene. Das vollständige, 90 Seiten starke Regelwerk gilt bereits seit dem 1. Juli. Lesewütige können es sich direkt beim IHF in deutscher Sprache herunterladen.
Für Felix, Spieler aus unseren Reihen und seit Jahren für die HSG als HHV-Schiedsrichter bis in die Oberliga aktiv, sind die Neuerungen natürlich ebenso bindend. Er hat sich in einigen Lehrgängen bereits damit auseinandergesetzt. Hier erklärt er die wichtigsten Änderungen und was sie für unser Spiel bedeuten:
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Härtere Strafen – vor allem für das Stoßen eines Spielers im Lauf oder Sprung – werden zwar im Regelwerk noch einmal hervorgehoben, sollen aber eigentlich schon immer so durchgesetzt werden. Im Halbzeitlehrgang dieses Frühjahrs haben wir dazu ein Video gesehen: Männer Landesliga, direkt in der 1. Spielminute geht ein Bundesliga erfahrener Spieler derart hart gegen einen 18-jährigen “Überflieger” zu Werke, dass der sich das Nasenbein bricht. Der “alte Hase” kommt mit einer gelben Karte davon.
Alle auf dem Lehrgang waren sich einig, dass der ältere Spieler das mit Absicht gemacht hat, um den Jungen einzuschüchtern. Fazit war: Was in der letzten Minute Rot ist, muss auch in der ersten Minute klar mit Rot geahndet werden.
Und das gilt natürlich auch für alle anderen Spielminuten!
Künftig müssen Torhüter bei Gegenstößen noch vorsichtiger sein: Sollte es bei einem Tempogegenstoß zu einem Kontakt zwischen Torhüter und Angreifer kommen, ist der Torhüter zu disqualifizieren. Es sei denn, der Spieler konnte sich auf den Zusammenstoß lange genug vorbereiten. Es steht zwar nicht in der Regel, aber das gleiche gilt für von der Bank ergänzende Spieler (zum Beispiel nach einer Zweiminutenstrafe).
Auch die Trainer müssen sich umstellen. Für sie gibt es nur noch einen begrenzten Arbeitsbereich. Die “Coachingzone” ist dabei auf eine Auswechselbank beschränkt worden. Der Trainer darf sich also nur so weit bewegen, wie die Bank der Länge nach reicht. Die Bank muss 3,5 Meter von der Mittellinie entfernt stehen und 8 Meter hinter der Mittellinie enden. Demnach darf sie maximal 4,5 Meter lang sein.
Das heißt: Wenn die Bank voll ist – sprich sieben Auswechelspieler plus vier Offizielle – wird’s eng. Eine zweite Bank darf nicht dazugestellt werden, kleine Turn-Kästen dagegen schon. Die Zone zwischen Mittellinie und Bank hat generell freizubleiben. Außer, wenn die Grüne Karte gelegt werden soll. Allerdings darf der Coach nicht lange taktieren, beispielsweise die Karte hinlegen und dann wieder wegziehen.
Aber der neuen Spielzeit wird es darüber hinaus keinen Ausschluss mehr geben. Tätlichkeiten, die früher mit einem Ausschluss bestraft wurden, fallen jetzt unter eine Disqualifikation mit Bericht. Dazu zählen auch grobe Unsportlichkeiten in der letzten Spielminute. So eine Situation hatten wir zum Beispiel beim Vorrunden-Turnier in Bürgel:
Kronberg führte mit einem Tor, wir hatte 15 Sekunden vor Schluss nochmal Anwurf und ein Spieler des Gegners hat unseren anwerfenden Spieler am Mittelpunkt festgemacht, noch bevor der Anpfiff ertönte. Die Schiedsrichter haben damals richtig mit einer Disqualifikation bestraft. Folgen muss aber auch ein Austausch mit Zeitnehmer und Sekretär, denn dort muss nach Bestrafung sofort der Spielerpass eingezogen werden.
Bei einer Disqualifikation mit Bericht wird der jeweilige Spieler übrigens automatisch für mindestens zwei Wochen gesperrt. Ob es noch eine längere Sperre gibt, entscheidet der Klassenleiter. Bei “normalen” Roten Karten (den Angreifer im Tempogegenstoß umreißen, von hinten in den Wurfarm greifen) wird nun kein Bericht mehr geschrieben.
Last but not least ist das Amt des Kapitäns wieder offiziell eingeführt worden.
2 Kommentare
Benutzername sagt:
August 18, 2010 von 11:26 pm (UTC 1 )
Guten Tag an die Fachmänner.
Verstehe ich es dann richtig, dass es also nie mehr vorkommen wird, dass eine Mannschaft zB die letzten 20 Minuten Unterzahl spielen muss, weil es ja keinen Ausschluss mehr gibt ?
Schade, das fand ich eine der besten Regeln.
Wenn man schlägt etc, dass man nicht nur sich damit durch einen Ausschluss vom Platz bringt, sondern auch seine Mannschaft schwächt, weil nicht ergänzt werden darf.
Schlechte Regeländerung , wie ich finde.
Nachträgliche Bestrafungen und Passeinzug gab es bei direkten roten Karten doch sowieso schon , oder ?
Felix sagt:
August 19, 2010 von 8:16 am (UTC 1 )
Ja, das siehst du richtig. Gerade deswegen wurde die Regel geändert, da es viel schlimmer ist, beim Handball in Unterzahl zu spielen als vergleichsweise im Fußball.
Nein, Passeinzug gab es bei direkten Roten Karten nicht.
Bis jetzt musste für jede Disqualifikation ein Bericht im Spielberichtsbogen geschrieben werden (auch für z.B. im Tempogegenstoß umreißen). Das ist jetzt nicht mehr der Fall. Eine nachträgliche Sperre gab es fast nur bei Beleidigungen, die auch zur Disqualifikation führen – und eben bei Ausschlüssen, wo der Pass eingezogen werden musste.
Gruß